Ethnobotanik

Pflanzen Traumkräuter

Traumkräuter: Calea, Afrikanische Traumwurzel und Entada

Calea ternifolia · Silene undulata · Entada rheedei

Als Traumkräuter (Fachbegriff: Oneirogene) bezeichnet man Pflanzen, die nach traditionellem Gebrauch oder Erfahrungsberichten das Träumen verändern sollen. Drei davon sind im Handel verbreitet: Calea aus Mexiko, die Afrikanische Traumwurzel aus Südafrika und die Samen der Entada. Die Belege sind sehr unterschiedlich stark, deshalb steht bei jeder Pflanze, worauf sich das Wissen stützt.

Calea, das mexikanische Traumkraut

Calea ternifolia ist ein Strauch aus der Familie der Korbblütler mit gezähnten Blättern und kleinen gelben Blütenköpfen. Er wächst von Mexiko bis Mittelamerika. Im Handel heißt er meist Calea zacatechichi, ein älterer Name, den die Botanik heute als Synonym führt.

Der Gebrauch ist bei den Chontal im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca beschrieben: Sie nutzen die Pflanze, um im Traum Botschaften und Vorhersagen zu erhalten. Die bekannteste Untersuchung stammt von Mayagoitia, Díaz und Contreras aus Mexiko-Stadt (Mayagoitia u. a. 1986). In einem doppelblinden Versuch mit gesunden Freiwilligen verlängerten niedrige Mengen eines Extrakts die Reaktionszeit. In einer Mittagsschlaf-Studie verbrachten die Teilnehmer mehr Zeit in leichten Schlafstadien, wachten öfter auf und berichteten häufiger von Traumbildern als unter Placebo oder Diazepam.

Zur Sicherheit gibt es wenig Daten. Zellstudien aus Porto fanden 2025 Hinweise auf schädliche Effekte an Nerven- und Gliazellen (Garcia u. a. 2025); Daten am Menschen fehlen. Calea schmeckt sehr bitter. Traditionell wird sie als Tee getrunken oder geraucht.

Afrikanische Traumwurzel

Silene undulata, im Handel unter dem älteren Namen Silene capensis, ist ein Nelkengewächs aus dem Ostkap Südafrikas. Ihre duftenden Blüten öffnen sich nachts und schließen sich am Tag. Die Xhosa nennen die Pflanze iindlela zimhlophe, „weiße Wege“.

Der Ethnobotaniker J. F. Sobiecki hat die Pflanzen beschrieben, die im südlichen Afrika bei der Wahrsagerei eingesetzt werden (Sobiecki 2008). Die Traumwurzel gehört zu den Ubulawu genannten Pflanzenzubereitungen. Ihre Wurzel wird während der Initiation von Wahrsagern eingenommen, um lebhafte und nach dem Verständnis der Xhosa vorhersagende Träume hervorzurufen (Sobiecki 2012). Kontrollierte Studien gibt es keine, die Inhaltsstoffe sind kaum untersucht.

Entada, die Meeresbohne

Entada rheedei ist eine tropische Kletterpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Ihre Hülsen werden bis zu zwei Meter lang. Die großen, flachen, dunkelbraunen Samen haben eine harte Schale und überstehen lange Zeit im Meerwasser; deshalb ist die Art an Küsten Afrikas, Asiens und Australiens verbreitet und wird oft als Treibgut angespült.

Im Handel heißen die Samen „afrikanische Traumbohnen“. Für den Traumgebrauch fanden wir keine Feldstudie in der ethnobotanischen Fachliteratur, die wir hier zitieren könnten; die Beschreibungen stammen aus dem Handel und aus Erfahrungsberichten. Gehalt und Art der Inhaltsstoffe sind für diesen Gebrauch nicht untersucht.

Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Keine der drei Pflanzen steht in den Anlagen des deutschen BtMG, in den Verzeichnissen der Schweizer BetmVV-EDI (Stand 13. März 2026) oder in der österreichischen NPSV. Geprüft am 10. Oktober 2026. Ein Verkauf als Lebensmittel ist eine eigene Frage des Lebensmittelrechts.

Vorsicht und Umgang

Wer ein Traumkraut ausprobiert, tut das am besten in einer ruhigen Nacht ohne Alkohol und ohne andere Substanzen, mit einer kleinen Menge und ohne Termine am nächsten Morgen. Ein Traumtagebuch neben dem Bett hält fest, was sich tatsächlich verändert. Schwangere und Menschen, die Medikamente nehmen, lassen die Finger davon.

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