Ethnobotanik

Pflanzen Kanna

Kanna (Sceletium tortuosum)

Sceletium tortuosum (L.) N.E.Br.

Kanna ist der Handelsname von Sceletium tortuosum, einer kriechenden Sukkulente aus den Trockengebieten im Westen Südafrikas. Das Kraut wurde von den San und Khoikhoi gekaut, lange bevor Europäer am Kap davon berichteten. Heute ist Kanna als Pflanzenmaterial, als Extrakt und als Samen erhältlich.

Botanik: eine Sukkulente aus dem Westen Südafrikas

Sceletium tortuosum gehört zu den Mittagsblumengewächsen, derselben Familie wie die bekannten Eisblumen. Die Pflanze bildet niederliegende Triebe mit fleischigen, gegenständigen Blättern und blüht weiß, gelblich oder blassrosa. Der Gattungsname kommt von lateinisch sceletus, Skelett: Die abgestorbenen Blätter bleiben als gerippte Hüllen an den Trieben stehen. Einige Botaniker stellen die Art heute in die Gattung Mesembryanthemum, daher findet man auch den Namen Mesembryanthemum tortuosum.

Herkunft und dokumentierter Gebrauch

Die Übersichtsarbeit von Nigel Gericke und Alvaro Viljoen fasst zusammen, was über den traditionellen Gebrauch bekannt ist (Gericke & Viljoen 2008). Danach nutzten San-Jäger und Khoikhoi-Hirten Sceletium wahrscheinlich sehr lange als Kaumittel, auch bei sozialen und spirituellen Anlässen. Die ersten schriftlichen Berichte stammen von europäischen Reisenden und Siedlern.

Die Autoren betonen auch, was verloren ging: Durch Landverlust, Vertreibung und Gewalt gegen die San ist viel von der mündlichen Überlieferung verschwunden. Auch die Wildbestände sind nach ihrer Darstellung durch Übersammlung und schlechte Weidewirtschaft stark zurückgegangen.

Die traditionelle Zubereitung heißt in den Quellen „kougoed“: Das Kraut wurde zerstoßen, einige Tage in einem geschlossenen Gefäß fermentiert und dann getrocknet und gekaut. Eine Übersicht von Smith und Kollegen trägt Berichte aus 300 Jahren zusammen und vermutet, dass diese Zubereitung den Gehalt an Oxalaten senkt (Smith u. a. 1996). Für eine halluzinogene Wirkung fanden die Autoren keine Belege.

Inhaltsstoffe

Die wichtigsten Alkaloide sind Mesembrin, Mesembrenon und Mesembrenol. In Laborversuchen an Rezeptoren und Enzymen band Mesembrin sehr stark an den Serotonintransporter, Mesembrenon zusätzlich an das Enzym Phosphodiesterase 4 (Harvey u. a. 2011). Das sind Messungen im Reagenzglas; sie sagen nichts darüber, wie stark ein bestimmtes Handelsprodukt wirkt. Der Gehalt schwankt zwischen Wildformen, Anbausorten und Extrakten erheblich.

Gebrauch heute und was du beachten solltest

Kanna wird gekaut, als Pulver unter die Zunge gelegt, als Tee aufgegossen, geraucht oder geschnupft. Wie deutlich eine Wirkung ausfällt, hängt stark von Form und Menge ab; Erfahrungsberichte nennen bei höheren Mengen Benommenheit und Übelkeit.

Weil Mesembrin am Serotonintransporter bindet, ist von der Kombination mit Medikamenten oder Substanzen abzuraten, die ebenfalls auf das Serotoninsystem wirken, etwa bestimmte Antidepressiva, MAO-Hemmer oder MDMA. Wer Medikamente nimmt, spricht vor dem Gebrauch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Nicht Auto fahren und mit kleinen Mengen beginnen gilt auch hier.

Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Weder Sceletium tortuosum noch Mesembrin stehen in den Anlagen des deutschen BtMG, in den Verzeichnissen der Schweizer BetmVV-EDI oder in der österreichischen NPSV. Geprüft am 10. Oktober 2026. Ob ein Produkt als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden darf, ist eine eigene Frage des Lebensmittelrechts. Mehr unter Rechtslage.

Produkte bei Avalon

Avalon Magic Plants führt Kanna in mehreren Stufen. Das getrocknete Kraut ohne Konzentrationsangabe ist der Einstieg. Der 10X-Extrakt ist eingedickt, der Full-Spectrum-Extrakt nach Angaben des Shops ein Auszug mit dem vollen Alkaloidspektrum; beide sind für Menschen gedacht, die das Kraut schon kennen. Die Samen sind für Sammler und die Anzucht als Zimmerpflanze.

Welche Stufe zu wem passt, steht in der Kaufberatung.

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